Geplante Windräder in Klarenthal

Windräder Klarenthal

Höchstes Windrad der Welt. Fallen 130 Jahre alte Bäume für den Bau von zwei Windrädern im Klarenthaler Stiftswald?


Ob Fernsehen, Hörfunk oder Zeitungen, in den letzten Wochen wurde immer wieder vom Bau zweier Windräder im Klarenthaler Stiftswald berichtet. Eines davon soll sogar das höchste der Welt mit 249 Meter werden. Werden diese gebaut oder nicht, und wie weit sind die Planungen? Dieser Frage ging auch der Gersweiler Anzeiger nach und besuchte eine Informationsveranstaltung, zu der am 21. Juli Bezirksbürgermeisterin Isolde Ries in die Klarenthaler Mehrzweckhalle eingeladen hatte.
Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass zusätzliche Plätze eingerichtet werden mussten. Selbstverständlich lief alles nach Vorschriften der Corona Schutzmaßnahmen, woran sich auch jeder hielt.

Noch bevor die eigentliche Veranstaltung begann, waren vor der Halle deutliche Worte zu hören. Ich war schon damals Gegner der Windräder, Windräder machen krank, die sind zu laut und rauben einem den Schlaf oder aber die werden doch gebaut. In der Halle herrschte zu Beginn dann noch Ruhe, was sich aber im Laufe des Abends änderte.
Begrüßen konnte Ries nicht nur zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, sondern auch politische Vertreter, die aus allen Parteien und Räten erschienen waren, darunter auch Edith Reichert, stellvertretende Bürgermeisterin aus Schoeneck. Zur Vorstellung der Planungen und Beantwortung von Fragen, war von der Firma DunoAir Thilo Wemmer-Geist als Projektleiter und Marc Wiedemann gekommen, sowie vom Landesamt für Umweltschutz Dr. Joachim Sartorius.
Wie Ries einführend sagte, hat die Firma DunoAir am 2. Juni 2020 einen entsprechenden Genehmigungsantrag bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA), eingereicht. Das Genehmigungsverfahren wird nach Gesetz als vereinfachtes Verfahren durchgeführt. Dabei ist eine Beteiligung der Öffentlichkeit nicht vorgesehen.
Man wolle heute keine allgemeine Diskussion zum Thema Umweltschutz, so Ries. Vielmehr soll in Erfahrung gebracht werden was auf die Bürger zukomme, bzw. was nicht. Hierzu stellte zunächst Projektleiter Wemmer-Geist das Projekt vor.
Der Vortrag dauerte 45 Minuten, die gesamte Veranstaltung dann fast drei Stunden, wobei es bestimmt noch mehr Redebedarf gegeben hätte. Viele Fragen wurden schließlich gestellt. Etwa zum Abstand zu den Wohngebieten. Von der Straße Am Forst 22 sind es 1410 Meter, von der Straße Am Bruch 1 – 1000, von der Friedrichstraße 80 – 900 und von zwei Standorten aus dem benachbarten Schoeneck jeweils 940 bzw. 1100 Meter. Wieso werden hier Genehmigungen bereits ab 900 Meter erteilt, wenn der Bund sagt, dass WEA (Wind Energie Anlagen) erst ab 1000 Metern aufgestellt werden dürfen? Dies, so Joachim Sartorius sei so nicht richtig. Es handelt sich durch die Bundesregierung um eine Empfehlung. Entscheiden tun hier die Länder. Bei diesem Bau der Windräder, handle es sich zwar um ein vereinfachtes Verfahren, jedoch ist jeglicher Frage der Öffentlichkeit nachzugehen. Bis eine vollständige Prüfung abgeschlossen sei, bedürfe dies einer Befragung und Antworten von mindestens einer dutzend Behörden. Hier nannte Sartorius z.B. die Bergbaubehörde, das Straßenbauamt, die untere Bauaufsicht und die Präfektur in Metz wegen der Grenze zu Frankreich. Weiter wird das Immissionsschutzgesetz, der Arbeitsschutz, der Natur und Artenschutz, aber auch die Waldumwandlung mit in die Vollständigkeitsprüfung aufgenommen. Auf die Frage, wie weit diese Prüfungen sind, stellte Sartorius klar, dass noch nicht alle Antworten eingegangen sind.
Windräder, so die Vertreter der Firma DunoAir, ersetzten nicht den ganzen Wald, aber sie ersetzten alten gegen jungen Wald. Hierzu war in der Präsentation gezeigt worden, dass insgesamt 2,44 Hektar zum Bau benötigt werden. Eine Aufforstung direkt vor Ort beziehe sich auf 1,27 Hektar, dauerhaft benötige man 1,16 Hektar, sowie für sonstige Flächen etwa die Infrastruktur 0,3 Hektar. Dass man so viel Wald, darunter 130 Jahre alte Eichen und Buchen fällen müsse, sei eine Maßnahme, die ganz tief in den Wald eingreifen würde, was man keinesfalls nachvollziehen könne, so ein Anwohner. Laut DunoAir erfolge hier ein Ausgleich der Flächen in Absprache mit dem Umweltministerium. Auch befindet sich rund um die Anlagen innerhalb von zwei Kilometer kein Schutzgebiet, worauf die Frage gestellt wurde, wer denn das Gutachten in Auftrag gab, erstellt habe und ob dies noch aus dem Jahr 2016 wäre. Klar, so Sartorius, greife man auch wieder auf das Gutachten aus 2016 zurück, wobei das Gutachten im Auftrag des Antragstellers gemacht werde. Zur Erstellung stellte Sartorius klar, dass man im eigenen Haus hochkarätige Fachkräfte hierfür habe. Diese Fachkräfte führten ihre Arbeit an festgelegten Tagen und Wegstrecken durch, eine letzte Begehung des Gebietes habe 2019 stattgefunden. Was ist mit Bäumen, die von Fledermäusen genutzt werden und dem Vogelzug? Diese Bäume, so Sartorius, seien nicht direkt an den Windrad Standorten vorhanden und ein Vogelzug sei bei den Gutachten nicht festgestellt worden. Hier richte man sich nach dem Kranich-Informationssystem für das Saarland, kurz KISS genannt. Was ist mit den vielen Transporten? Diese führten über öffentliche Straßen und schließlich quer durch den Wald, auch hierfür müsse wohl Wald geopfert werden. Ja, so Sartorius, allerdings dürfen Transporte auf öffentlicher Straße ganz gleich wo, durchgeführt werden. Anders sehe dies im Wald aus. Hier gehe es um die Zuwegung naturrechtlicher Wege, wofür eine Eingriffsgenehmigung Pflicht sei. Auch hier müsse noch geredet werden.
Befürchtet wird ein Wertverlust der Immobilien, auch ein Schattenwurf könne sich negativ auf Solaranlagen auswirken. Sartorius gehe nicht von einem Schattenwurf aus, der Solaranlagen beeinträchtige, aber er werde dies gerne nochmals prüfen lassen. Was eine Wertminderung angehe, so gebe es hierzu bereits Urteile und höchstrichterliche Gesetze. Immer wieder im Gespräch der Schallschutz. Dieser dürfe am äußersten gesetzlichen Messpunkt höchstens 35 dB (Dezibel) sein. Was jedoch, wenn dieser Wert nicht eingehalten wird? Hier müsse selbst bei geringer Überschreitung der Betreiber für Abhilfe schaffen. Ist dies nicht möglich, müsse die Anlage abgeschaltet werden. Sartorius erinnerte hier an Nacht- und Tagesrichtwerte, die einzuhalten sind. Gemessen werde der Schallpegel erneut nach einem Jahr, nach drei Jahren erfolge dann eine weitere Messung. 35 dB seien so laut wie ein Zimmerventilator, meinte ein weiterer Anwohner, mache er sein Fenster auf, so habe er diesen künftig dann direkt vor sich.
Immer wieder kam es auch zu Zwischenrufen. Wer profitiert von der Sache, warum im Wald und nicht auf freier Fläche, der Herr vom Stiftswald solle doch auch mal etwas sagen. Die Frage wer profitiert, wurde von DunoAir beantwortet. Der Betreiber, die Grundstückseigentümer, die Allgemeinheit und nicht zuletzt die Umwelt, wobei eine Bürgerbeteiligung ebenfalls ernst genommen werde. Dann ging auch Rolf Kinderle, der Vorsitzende des Verwaltungsrates des Evangelischen Stiftes St. Arnual an das Mikro. Er versuchte klar zu machen, wie wichtig dem Stift die Erhaltung des Waldes sei. Seit 30 Jahren habe man versucht den Wald so gut als möglich zu bewirtschaften, um somit die Stiftungszwecke und die Walderhaltung mit finanzieren zu können. Die Wald Bewirtschaftung sei naturgemäß, was wiederum teuer sei. Hinzu kommen Müllsammlungen, Zerstörung durch Orkane oder Schäden durch den Borkenkäfer. Heute werfe der Wald kein Gewinn mehr ab, eine Erhaltung sei nur noch durch Rücklagen möglich. Um eine künftige Walderhaltung fortführen zu können, habe man auf die Pläne des Regionalverbandes zurückgegriffen und das Windradprojekt ausgeschrieben, wonach die Firma DunoAir den Zuschlag erhalten habe. Alle arbeiteten im Stift ehrenamtlich und niemand habe einen Verdienst, der Stift werde ordnungsgemäß geprüft wo das Geld hinkomme. Weniger glaubhaft und mit schmunzeln reagierten die Bürger, als Rolf Kinderle sagte, dass man als Stift beim Klimawandel mitmachen möchte. Wald koste zwar Geld, sei aber grüne Energie und gut für den Klimawandel. Cattenom sieht man nicht und hört man nicht, so die abschließenden Worte des Verwaltungsratsvorsitzenden.
Über einen Redner ärgerten sich die Anwesenden besonders. Henry Selzer von der Bürger Energie Genossenschaft Hochwald eG. Dieser sprach davon, dass die Firma DunoAir technisch und fachlich sicher in der Lage wäre zu bauen. Bereits nach dieser Aussage kamen Zurufe, ob er denn ein Statement für die Firma DunoAir führe. Dies sei eine Veranstaltung für Klarenthaler Bürger. Schließlich stellte er doch eine Frage im Sinne der Veranstaltung, ob denn der Windpark extern verkauft werde, oder ob der Bürger die Möglichkeit einer Beteiligung etwa an einer Genossenschaft habe. Dies beantwortete die Firma DunoAir. Erst müsse man mal das Interesse abwarten und ob eine Genehmigung überhaupt erteilt werde.
Es meldeten sich noch viele Redner. Einer sagte, dass man ihn bisher noch nicht überzeugt habe. Weiter fügte er hinzu, dass im Geoportal des Saarlandes falsche Angaben gemacht wurden, dies so Joachim Sartorius werde man selbstverständlich prüfen. Hinsichtlich des Schallschutzes habe man zu 2016 nichts dazugelernt. So wären auch die Franzosen über den Bau der WEA nicht wirklich glücklich, was die stellvertretende Bürgermeisterin aus Schoeneck bestätigte. Aber so diese, gelte ja das deutsche Recht.
Gott sei Dank, meinte ein Redner handle es sich hier nur um ein Prüfverfahren. Wie dieses Prüfverfahren ausgeht, darauf kann man gespannt sein. Schließlich fragte noch ein Politiker, wer denn überhaupt gegen den Bau der WEA sei, worauf ein Blick in die Halle zeigte, dass bis auf wenige Ausnahmen fast alle Arme nach oben gingen.
Eines, so Marc Wiedemann von der Firma DunoAir, sei klar: man muss was tun in Sachen erneuerbarer Energie. Im Saarland sei man knapp an 20 Prozent, was bereits eine besondere Leistung sei. Abschließend sagte Ries, dass solch ein Bauvorhaben nie ohne Akzeptanz der Bevölkerung durchgeführt werden könne. Man hoffe, dass es ausgeht, wie man es sich wünsche. Ries bedankte sich für das große Interesse, man werde viele gesagte Themen mit in die Bezirksratssitzung im August nehmen. Auch der Karnevalsgesellschaft „die Quassler“ sei gedankt, diese hatten spontan ihre Musikanlage zur Verfügung gestellt. Keinesfalls vergessen dürfte man die beiden Hausmeister, die gerne zur Hand waren.
Bereits einen Tag nach der Veranstaltung, ging ein Brief von Bezirksbürgermeisterin Isolde Ries an den Regionalverbandsdirektor Peter Gillo mit folgendem Inhalt:
<< In Gersweiler und Klarenthal diskutieren wir aktuell die Errichtung zweier Windräder von der Fa. DunoAir in der Konzentrationszone, die 2016 vom Regionalverband im Rahmen des Flächennutzungsplanes ausgewiesen wurde. Ich bedaure, dass der Regionalverband damals die Konzentrationszone in historisch altem Waldbestand (Eichen und Buchen ca. 130 Jahre als) festgelegt hat. In unserem Fall befinden sich die Konzentrationsflächen in Privatwald (Stiftswald St. Arnual), so dass die Gesetzesänderung aus dem Jahre 2017, keine historischen Waldbestände für Windräder zu fällen, hier leider nicht greift – gilt nur für Staatswaldflächen. Was ich aber zu bedenken gebe, ist, dass die neue Generation der Windräder eine Höhe hat, die es 2016 noch nicht gab. In Klarenthal wird ein Windrad mit einer Höhe von 246 m errichtet, das sind gerade mal 50 m weniger als der Eiffelturm hoch ist. Ich bitte Sie deshalb, die ausgewiesenen Konzentrationsflächen vor dem Hintergrund der neuen Generation der Windräder zu überprüfen. (Isolde Ries, Bezirksbürgermeisterin West) >>
Bleibt abzuwarten, wie sich diese Angelegenheit weiterentwickelt. Sollten wir Informationen bekommen, werden wir diese im Gersweiler Anzeiger veröffentlichen. (Rafael Mailänder)

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